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| Was schön ist an unserem Klassenzimmer: der Ausblick |
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| Sicht auf die Terassen und mein geliebtes Schwimmbad |
Dann wollen wir doch mal sehen, was wir die ganze Zeit so treiben in unserer Schule: Wir haben insgesamt acht Fächer, davon fünf einmal wöchentlich, zwei zweimal wöchentlich (Hörverständnis & mündlicher Ausdruck), und eins sechs mal wöchentlich (Lehrbuch/Grammatik).
Mir gefallen natürlich die fünf Fächer am besten, die wir nur einmal wöchentlich haben: Kulturverständnis, schriftlicher Ausdruck, aktuelles Japanisch (Nachrichten), Leseverständnis sowie Übersetzung (hauptsächlich Deutsch-Japanisch, etwas Japanisch-Deutsch).
Bei Grammatik bin ich immer kurz vorm Einschlafen. Unser Tempo kann nur als schneckengleich beschrieben werden. Wir schaffen pro Unterrichtseinheit ein bis zwei Absätze des aktuellen Lehrbuchtextes. In Deutschland haben wir in der selben Zeit ein ganzes Lehrbuchkapitel abgehandelt. Der Großteil der Grammatik ist uns auch schon bekannt - wobei Wiederholung ja nicht schadet, sie ist nur... langweilig.
Kulturverständnis ist ein netter Unterricht, in dem man etwas über Denkweisen, Bräuche und traditionelle Künste Japans lernen soll... diese Woche haben wir allerdings eher "Probleme des Alltags" besprochen. (Höflichkeit in japanischen Bahnen, Sittenschwund der Jugend, o tempora, o mores.)
Umso besser gefällt mir schriftlicher Ausdruck, denn da können wir uns wöchentlich ein Thema aus unserem Lebensalltag aussuchen einen kleinen Aufsatz drüber schreiben. Den geben wir ab und bekommen ihn ein paar Tage später mit Korrektur, Kommentaren, und manchmal auch kleinen Erklärungen zurück. Ich hab meinen ersten Aufsatz über die für mich wirklich etwas verwirrende Mülltrennung in Japan geschrieben und hab unter meinem Text einen erläuternden Absatz gefunden, der mir erklärt hat, dass es von der Lokalregierung abhängt, ob und wenn ja: welches Plastik in der jeweiligen Region seinen Weg in den 燃えるごみ Moerugomi (zu verbrennenden Müll) findet.
Aktuelles Japanisch ist ob des oft unbekannten Vokabulars nicht wenig schwierig, aber interessant. Wir bekommen nicht zu lange Zeitungsartikel etwa auf unserem Niveau in die Hand gedrückt, und nach ein paar Verständnisfragen dürfen wir dann inhaltlich diskutieren. Ich interessiere mich eben für Politik, Wirtschaft und gesellschaftliche Strukturen, darum gefallen mir hier die Themen bisher sehr gut.
Leseverständnis ist mein Lieblingsfach. Ich komm in den Unterricht, um in Ruhe zu lesen und ein paar Fragen zu Texten zu beantworten. Für mich gibt's nichts geileres. Das ist fast so gut wir fürs Lesen bezahlt zu werden.
Übersetzung läuft auch entspannter ab als zu Hause, was mir in diesem Falle aber nur recht ist. Mir fällt's schon schwerer, von Deutsch nach Japanisch zu übersetzen als umgekehrt, selbst wenn wir recht viele Vokabelangaben bekommen. Letzte Woche haben wir eine Bibeldiskussion ("War Jesus verheiratet?") übersetzt. Man denke sich bitte unsere begeisterten Gesichter dazu. Ich wusste ja bisher nicht mal auf Deutsch, was ein Koptologe ist. Andererseits ist der Unterricht sehr beruhigend, weil man hier wirklich Handwerkszeug mitgegeben bekommt. Welche Phrase kann ich wie ungefähr übertragen, was mache ich mit den grammatikalischen Fällen im Japanischen, warum die Satzstellung im Japanischen gleichzeitig unwichtig und essentiziell ist.
Hörverständnis mag ich aus einem einzigen Grund: es findet im Sprachlabor statt und hat Drehstühle. Eine Gnade. Ansonsten komm ich mit dem Unterricht zurecht, nur nicht mit all seinen Arbeitstechniken. Wir machen dort unter anderem sogenanntes "Shadowing", was bedeutet, dass alle gleichzeitig per Kopfhörer den Text abhören und bruchstückweise für sich wiederholen. Ich persönlich höre nur das zwanzigfache Murmeln der anderen Kursteilnehmer.
Wieso ich den Unterricht so ausführlich erläutert habe? Weil er a) unseren Alltag dominiert, b) Freunde mitlesen, die diesen Unterricht nächstes Jahr vielleicht mitmachen werden und c) meine Familie gefragt hat. :)
Apropos Familie: Ich habe heute ein Paket von zu Hause bekommen, in dem ein paar wunderbare Fotos und Geschenke waren... und meine Winterkleidung, aber wen interessiert das schon. Vielen lieben Dank.
Was ich sonst so mache? Mich mit Leuten treffen, zwei Mal wöchentlich schwimmen gehen, Spaziergänge. Letzteres belege ich mal - ganz fußnotenfrei. ;)
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| Oh, du wunderschöner... |
Ich klettere hier auch gerne auf die Dächer, denn das ist bei fast allen Gebäuden unserer Uni gefahrlos möglich und erstaunlicherweise sogar erlaubt. Sonst wird man ständig ermahnt, bloß immer gut auf sich aufzupassen, aber dann kriegt man plötzlich die Empfehlung, mal aufs Wohnheimdach oder das Hauptgebäude zu steigen. Ich weiß auch nicht.
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| Spielt jemand das Wolkenspiel mit mir? |
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| An den Bergen werde ich mich wohl nie sattsehen. |
Wettertechnisch geht es hoch her, denn es wechselt täglich von Regen zu Sonne zu Taifun. Wegen eines Taifuns mussten wir auch unsere Pläne für das letzte Wochenende auf dieses verschieben: Wir wollten eigentlich mit unserer deutschen Sprachkurslehrerin, die gerade zu Besuch hier ist, nach Kamakura - viele Tempel, viel Kultur - fahren und danach einen kleinen Abstecher ans Meer machen. Aber bei heftigem Regen und einer Windgeschwindigkeit, die zwei unserer Regenschirme innerhalb eines Wimpernschlags zerfetzt hat, haben wir das dann doch lieber bleiben lassen, und haben stattdessen nur einen kleinen Einkaufstrip gemacht.
Im nächsten Eintrag dürft ihr dann hoffentlich ein paar Buddhastatuen aus Kamakura bestaunen. ;)






Die Wolke ist ein Mensch mit riesigem Iro, der Kniebeugen macht.
AntwortenLöschenLilli
Lilli! <3 Du bist perfekt. Für mich ist es allerdings ein aufgeregt flatterndes Hühnchen ohne Kopf.
LöschenAbgehackte Hand in gefällt-mir-Pose, aus dem Daumen spritzt Blut.
LöschenIch hab die letzten zwei Tage immer mal wieder darüber nachgedacht, wie ich diesen Kommentar toppen kann... ich kann es nicht. X'D Falls mich irgendwer mal bittet, makaberen Humor zu erklären, nehme ich einfach deinen Kommentar. :D
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