Gehen wir am besten chronologisch vor.
Letzten Freitag haben wir die ersten zwei Unterrichtseinheiten damit verbracht, den JLPT (Japanese Language Profiency Test) 2 auf Probe zu schreiben.
Für die mitlesenden Nicht-Japanologen: Der JLPT ist der Test, anhand dessen weltweit eingestuft wird, inwieweit jemand des Japanischen mächtig ist. Es gibt fünf Level (früher vier), wobei Level 1 das Höchste und Level 5 das Niedrigste ist. Ich bin zwar durchgefallen (wie fast alle in unserer Klasse), aber es hat gar nicht mal so viel gefehlt. Ich war bei knapp über 50%, 60 braucht man, um zu bestehen.
Danach haben wir lustige Kennenlernspiele veranstaltet und innerhalb der Klasse Arbeitsgruppen mit je vier Personen gebildet. Ich muss sagen... ich mag meine Klasse. Natürlich kann ich das noch nicht für alle zwanzig defintiv sagen, Himmel, ich kann ja gerade einmal die Hälfte der Namen, aber es ist auf jeden Fall ein lustiger Haufen. Viele machen beim Unterricht aktiv mit, was mir wiederum das Gefühl gibt, nicht die Klassenstreberin zu sein. Das heißt allerdings nicht, dass wir nur strebsame, ernsthafte Studenten sind... eigentlich blödeln wir ständig. Soll ich mal die Namen unserer Gruppen vorstellen? Nein? Egal, mache ich trotzdem. Da hätten wir zu erst einmal ドタコ DoTaKo, kurz für ドイツ (Deutschland), タイ (Thailand) und コリア (Korea); dann noch すいか Suika (Wassermelone), darauf möge sich bitte jeder selber einen Reim machen; die Vollgasgeber von "100%" (Angeber ;P); die niedliche Gruppe 大丈夫 Daijoubu (in Ordnung), so getauft, weil die Antwort auf diesen Namensvorschlag "in Ordnung" war; und schlussendlich ist da noch unsere Gruppe にじ Niji (Regenbogen), weil wir haarfarbenmäßig gut durchmischt sind - und mich der Vorschlag so sehr an eine Kindergartengruppe oder eine Gay Pride-Demo erinnert hat, dass ich sofort amüsiert zugestimmt habe.
Den Rest des Freitags haben wir zusammen mit den für uns zuständigen japanischen Studenten verbracht. Wir waren einkaufen und haben für das Unifest Anfang November Probe gekocht, also unsere vorher abgesprochenen Rezepte auf Tauglichkeit geprüft. Wir haben zwar ganz schön lange in der Küche gestanden (gute vier - fünf Stunden), aber es hat ziemlich viel Spaß gemacht. Das Ende vom Lied war dann, dass wir wohl noch mal vor dem Fest kochen werden, weil die Rezepturen bei zwei von drei Gerichten noch Nachbesserungsbedarf haben.
Am Samstag war dann alles erst mal etwas gemächlicher unterwegs, bis es nachmittags losging zu einem nahegelagenen Stadtfest. Unsere japanische Ansprechpartnerin im Wohnheim hatte uns als Helfer angestellt, und weil sie einfach so lieb ist und wir neugierig waren, sind wir losgezogen nach 秦野 Hadano.
Wir sind direkt vors Rathaus geführt worden, wo wir in unsere Aufgaben eingewiesen wurden und die entsprechenden Helferjacken bekommen haben. Es ging vor allem darum, die Rugby-Mannschaft der Tōkai-Uni dabei zu unterstützen, einen der Festzüge zu ziehen.
Wobei die Unterstützung hauptsächlich moralischer Natur war: Alle Mädels außer der Australierin A. und mir wurden abbestellt, um abgrenzend neben dem Wagen herzulaufen. A. und ich wurden (wohl ob unserer Größe) zwar mit an den Wagen gestellt, aber wir durften auch nur ein bisschen lenken, Signale geben und die Jungs "anstupsen", wenn sie was nicht mitbekommen hatten. Als ich versucht hab, beim Anheben mitzuhelfen, war in Sekundenschnelle ein Veranstalter neben mir: "Nicht unten anfassen, nur ein bisschen stützen! Du könntest dich verletzen!" - ... Ach. Aber die Jungen verletzen sich dabei nicht, nein? Da bin ich ja beruhigt. Ob der gute Herr mich angeschaut hat? Ich bin groß und kräftig und packe gerne mit an. Naja, was soll's.
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| Unser Umzugswagen aus meiner Perspektive links vorne |
Und da es nun einmal passiert ist (und das Bild sowieso schon auf Facebook gelandet ist):
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| Mit freundlicher Genehmigung meiner Kommilitonen |
Gestern Abend kam ich dann vom Schwimmen, um überrascht festzustellen, dass ich in eine Putzgruppe eingeteilt worden und noch am selben Abend dran war. Am Anfang hat mich das etwas genervt, weil die Aktion etwas kurzfristig angelegt und die gestellten Putzmitteln eher... unzureichend waren. Allerdings stellte sich anhand eines Star Wars-Shirt einer anderen Deutschen (nicht aus unserer Gruppe, studiert in Norwegen) heraus, dass alle vier Putzenden auf einer Wellenlänge (und auf Tumblr ;P) sind, sodass bald nur noch Insider durch die Küche flogen. ("Aber hinterher Shawarma!") Ich glaube, ich hab neue Freunde gefunden.
Morgen haben wir unseren ersten Kurztest, also sollte ich mich gleich noch mal kurz vor meine Lehrmaterialien klemmen. Bis die Tage.




Hallo Eulenauge,
AntwortenLöschenda ich jetzt schon ne Weile mitlese und langsam das Gefühl krieg ich wär ein heimlicher Beobachter, der sich hinter einem Cyberbusch versteckt: hier eine kurze Mitteilung.
Ich bin eine Freundin von S. und da die von vornherein gesagt hat, dass sie keinen eigenen Blog haben wird, wurde ich mit hierher geschickt. Ich hoffe es stört dich nicht.
Da ich noch keinen der Unmengen an Japan-Blogs gelesen hab, finde ich hier alles gänzlich neu und super spannend. Du hast also für das kommende Jahr einen begeisterten Fan gefunden :)
Falls es irgendwo noch versteckt eine Seite mit mehr Bildern gibt, dann wäre ich daran sehr interessiert.
Tja, mehr fällt mir jetzt nicht ein, insofern: Danke, danke fürs informiert halten! Und weiterhin viel Spaß und tolle Erlebnisse!
LG, L.
Keine Sorge, ich hatte ihr den Link extra gegeben, damit sie den an Familie und enge Freunde weitergeben kann. Kann ja sein, dass wir hier irgendwann mal keine Zeit für individuelle Mails haben oder etwas in der Art, dann kann ich hier n Signal absetzen, dass wir noch leben und alles okay ist. ;)
LöschenDas freut mich natürlich. :D Und es motiviert.
Nein, es gibt keine versteckte Seite mit Bildern, aber da ich auch schon von anderer Seite gehört habe, dass es doch bitteschön mehr Bilder geben könne, kann ich sowas bei Gelegenheit noch mal einrichten.
Dankeschön! ^^
Und gute Nacht.