Mittwoch, 10. Oktober 2012

Das war Monat Nummer 1.

Ich habe heute auf mein Handy geschaut und erstaunt festgestellt, dass wir in ein paar Stunden schon einen ganzen Monat in Japan verbracht haben. Gefühlt ist der Monat rasend schnell vergangen. Man kann nur hoffen, dass es mit dem Rest des Jahres nicht genauso geht. Dann käme ich vermutlich nächsten August wieder nach Deutschland und wüsste nicht, wohin mein Jahr mir entschwunden ist.

Gehen wir also wieder zu den festhaltenswerten Dingen über. Am Samstag gab es die offizielle Welcome Party, aber da das insgesamt schon unsere dritte war, hatte ich irgendwie... keinen wirklichen Elan mehr für die Feier über. Nett war es trotzdem und es gab was zu essen, was will man mehr.

Tanzeinlage der Koreaner. Alle unter dreißig dürfen exakt einmal raten, zu welchem Lied.

Am Sonntag sind wir dann aufgestanden, als ob es ein normaler Wochentag gewesen wäre, denn wir sind nach Kamakura gefahren. (Randnotiz: Kamakura ist insofern wichtig, als dass es im zwöften und dreizehnten Jahrhundert mal Japans Regierungssitz war und nach wie vor eins der größten religiösen Zentren ist.)
 Unsere Lehrerin wollte lieber früher los, und was Fr. B. will, wird in aller Regel auch gemacht. Die Begeisterung hielt sich auch hier anfangs in Grenzen, denn Gott, wir waren so müde. Und es regnete. Wir sind natürlich trotzdem einen Berg hochgeklettert, um uns einen Tempel anzuschauen.



Und um Geld zu waschen. Nein, wirklich. Wenn man das Geld in der Tempelgrotte wäscht, dann vermehrt es sich. Zu mehr Geld sage ich nicht nein und zu saubererem auch nicht, also hab ich das kurzerhand mitgemacht.
Jupp, in dem Felsspalt wurde schmutziges Geld gewaschen.
Wir haben fast alle ein Zukunftslos gezogen, und ich... hatte natürlich die Niete. Nichts als Pech: miese Karrierechancen, ich soll irgendwohin gehen, wo es kalt ist (nein, danke) und mein Liebesleben ist im Eimer (dazu müsste ich erst mal eins haben). Naja, macht nichts, schnell um höheren Beistand bitten und die unheilvolle Weissagung im Tempel zurücklassen.

Mein Zettel hängt da jetzt irgendwo dazwischen. Auf Nimmerwiedersehen.
Der Rückweg war, sofern das möglich ist, noch schlimmer und anstrengender. Es hatte zwar inzwischen aufgehört zu regnen, aber wir hatten bergab mit aufgeweichtem Lehmboden zu kämpfen, und wer sich wie ich nur einmal auf den Hintern gesetzt hat, konnte sich noch glücklich schätzen. Es war wirklich nicht ganz ungefährlich. Allerdings haben wir eine echte Heldin unter uns: unsere zierliche kleine K., die uns mit grimmiger Entschlossenheit, einem noch härteren Tempo als Fr. B und einer, ich zitiere unsere wandererfahrene Dozentin, "ausgezeichneten Körperbeherrschung!" unbeschadet vorausgegangen ist. Ein Pfadfinder-Orden wäre durchaus angebracht.

Wenigstens war die Aussicht auf die Bucht von Kamakura schön.
Unten angekommen haben wir dann von Fr. B. jeder ein お守り Omamori (Glückstalisman) geschenkt bekommen, speziell geweiht für maximale Lernerfolge. Ich hatte mit einem Mal das heftige Bedürfnis, "Ich habe den Berg bezwungen, und alles, was ich dafür bekommen habe, war dieses winzige Schutzbeutelchen!" dranzuheften. Hab mich natürlich trotzdem sehr gefreut. 

Als nächstes stand etwas sehr, sehr großes auf dem Plan. Um genau zu sein: 13,35 Meter groß. (Ja, ich hab Wikipedia nachgeschaut.) Einmal bitte staunen für den 鎌倉大仏 Kamakura Daibutsu (Kamakuras großer Buddha). 


Was soll ich sagen. Er ist wirklich, wirklich groß und beeindruckend.

Dann sind wir wirklich in die Stadt Kamakura rein, haben uns umgeschaut und n Weilchen am Strand rumgetrieben. Ich war also seit Ankunft in Japan zum ersten Mal direkt am Meer (und fand es so schön, dass ich einfach alle um mich herum gute zehn Minuten ausgeblendet habe... upps).


Zum Abschluss wollten wir eigentlich in einen der größten Schreine vor Ort gehen, aber wegen irgendeines Festes war es brechend voll. 

Da Menschenmengen niemanden von uns so recht in Freudenschreie ausbrechen ließen, sind wir noch ein bisschen auf dem Gelände umhergepilgert...



 ... und sind durch Kamakuras Gassen und Läden gebummelt.


Okay, ich gebe zu, in der Haupteinkaufsstraße war es auch nicht gerade menschenleer.

Als wir abends wieder am Bahnhof in Hiratsuka ankamen, waren wir alle völlig fertig. Alle? Nein, eine einzelne Frau leistete der Müdigkeit tapfer Widerstand. Mit anderen Worten: Fr. B. war noch taufrisch, wir waren tot. Irgendwas machen wir falsch.


Apropos: müde. Ich bin es und gehe jetzt schlafen. Gute Nacht.

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