Dienstag, 25. September 2012

Arbeiten, aber lustig

Ich kann kaum glauben, dass ich das schreibe, aber der folgende Post wird hauptsächlich davon handeln, dass ich anstrengende Dinge getan habe und mich dann auch noch daran erfreut habe.

Gehen wir am besten chronologisch vor.
Letzten Freitag haben wir die ersten zwei Unterrichtseinheiten damit verbracht, den JLPT (Japanese Language Profiency Test) 2 auf Probe zu schreiben.
Für die mitlesenden Nicht-Japanologen: Der JLPT ist der Test, anhand dessen weltweit eingestuft wird, inwieweit jemand des Japanischen mächtig ist. Es gibt fünf Level (früher vier), wobei Level 1 das Höchste und Level 5 das Niedrigste ist. Ich bin zwar durchgefallen (wie fast alle in unserer Klasse), aber es hat gar nicht mal so viel gefehlt. Ich war bei knapp über 50%, 60 braucht man, um zu bestehen.

Danach haben wir lustige Kennenlernspiele veranstaltet und innerhalb der Klasse Arbeitsgruppen mit je vier Personen gebildet. Ich muss sagen... ich mag meine Klasse. Natürlich kann ich das noch nicht für alle zwanzig defintiv sagen, Himmel, ich kann ja gerade einmal die Hälfte der Namen, aber es ist auf jeden Fall ein lustiger Haufen. Viele machen beim Unterricht aktiv mit, was mir wiederum das Gefühl gibt, nicht die Klassenstreberin zu sein. Das heißt allerdings nicht, dass wir nur strebsame, ernsthafte Studenten sind... eigentlich blödeln wir ständig. Soll ich mal die Namen unserer Gruppen vorstellen? Nein? Egal, mache ich trotzdem. Da hätten wir zu erst einmal ドタコ DoTaKo, kurz für ドイツ (Deutschland), タイ (Thailand) und コリア (Korea); dann noch すいか Suika (Wassermelone), darauf möge sich bitte jeder selber einen Reim machen; die Vollgasgeber von "100%" (Angeber ;P); die niedliche Gruppe 大丈夫 Daijoubu (in Ordnung), so getauft, weil die Antwort auf diesen Namensvorschlag "in Ordnung" war; und schlussendlich ist da noch unsere Gruppe にじ Niji (Regenbogen), weil wir haarfarbenmäßig gut durchmischt sind - und mich der Vorschlag so sehr an eine Kindergartengruppe oder eine Gay Pride-Demo erinnert hat, dass ich sofort amüsiert zugestimmt habe.

Den Rest des Freitags haben wir zusammen mit den für uns zuständigen japanischen Studenten verbracht. Wir waren einkaufen und haben für das Unifest Anfang November Probe gekocht, also unsere vorher abgesprochenen Rezepte auf Tauglichkeit geprüft. Wir haben zwar ganz schön lange in der Küche gestanden (gute vier - fünf Stunden), aber es hat ziemlich viel Spaß gemacht. Das Ende vom Lied war dann, dass wir wohl noch mal vor dem Fest kochen werden, weil die Rezepturen bei zwei von drei Gerichten noch Nachbesserungsbedarf haben.

Am Samstag war dann alles erst mal etwas gemächlicher unterwegs, bis es nachmittags losging zu einem nahegelagenen Stadtfest. Unsere japanische Ansprechpartnerin im Wohnheim hatte uns als Helfer angestellt, und weil sie einfach so lieb ist und wir neugierig waren, sind wir losgezogen nach 秦野 Hadano.


Wir sind direkt vors Rathaus geführt worden, wo wir in unsere Aufgaben eingewiesen wurden und die entsprechenden Helferjacken bekommen haben. Es ging vor allem darum, die Rugby-Mannschaft der Tōkai-Uni dabei zu unterstützen, einen der Festzüge zu ziehen.
Wobei die Unterstützung hauptsächlich moralischer Natur war: Alle Mädels außer der Australierin A. und mir wurden abbestellt, um abgrenzend neben dem Wagen herzulaufen. A. und ich wurden (wohl ob unserer Größe) zwar mit an den Wagen gestellt, aber wir durften auch nur ein bisschen lenken, Signale geben und die Jungs "anstupsen", wenn sie was nicht mitbekommen hatten. Als ich versucht hab, beim Anheben mitzuhelfen, war in Sekundenschnelle ein Veranstalter neben mir: "Nicht unten anfassen, nur ein bisschen stützen! Du könntest dich verletzen!" - ... Ach. Aber die Jungen verletzen sich dabei nicht, nein? Da bin ich ja beruhigt. Ob der gute Herr mich angeschaut hat? Ich bin groß und kräftig und packe gerne mit an. Naja, was soll's.
Unser Umzugswagen aus meiner Perspektive links vorne
Es war auf jeden Fall ziemlich cool, Teil des Festes zu sein und nicht nur Zuschauer. Die Atmosphäre und das Wetter waren herrlich, außerdem haben wir umsonst Abendessen bekommen. Das ist bei den Preisen hier nicht zu verachten. Nur zwei Nachteile ergaben sich dadurch: Wir hatten keine Gelegenheit, uns selber auf dem Fest umzuschauen. (Am nächsten Tag regnete es heftig, sodass wir kein zweites Mal hingehen konnten.) Außerdem hab zumindest ich mich zeitweise etwas unwohl gefühlt, weil ich in meinem ganzen bisherigen Leben nicht so viel fotografiert worden bin wie letzten Samstag.
Und da es nun einmal passiert ist (und das Bild sowieso schon auf Facebook gelandet ist):

Mit freundlicher Genehmigung meiner Kommilitonen

Gestern Abend kam ich dann vom Schwimmen, um überrascht festzustellen, dass ich in eine Putzgruppe eingeteilt worden und noch am selben Abend dran war. Am Anfang hat mich das etwas genervt, weil die Aktion etwas kurzfristig angelegt und die gestellten Putzmitteln eher... unzureichend waren. Allerdings stellte sich anhand eines Star Wars-Shirt einer anderen Deutschen (nicht aus unserer Gruppe, studiert in Norwegen) heraus, dass alle vier Putzenden auf einer Wellenlänge (und auf Tumblr ;P) sind, sodass bald nur noch Insider durch die Küche flogen. ("Aber hinterher Shawarma!") Ich glaube, ich hab neue Freunde gefunden.

Morgen haben wir unseren ersten Kurztest, also sollte ich mich gleich noch mal kurz vor meine Lehrmaterialien klemmen. Bis die Tage.

Mittwoch, 19. September 2012

Schweißtreibendes

Hallo zusammen,

hier war die letzten Tage nicht viel los. Allerdings hat vor drei Tagen die Regenzeit angefangen, was bedeutet, dass alle paar Stunden heftige Schauer runterkommen, ohne dass sich jedoch bisher an den Temperaturen viel geändert hätte.
Wir hatten den zweiten Teil unseres Einstufungstests, das Interview mit den Lehrern. Es war... süß. Wir haben Fragen bekommen wie "Bist du das erste Mal in Japan?", "Mit welchen Lehrbüchern hast du bisher Japanisch gelernt?", "Wofür interessierst du dich besonders?" und, der Dauerbrenner: "Warum lernst du Japanisch?" (Duh. Because I can.) Es ist darauf hinausgelaufen, dass drei aus unserer Gruppe in der ersten von acht Klassen gelandet sind (einer davon auf Probe). Wir anderen vier amüsieren uns in der zweiten Klasse.
Wir hatten dann auch die zweite Hälfte der heutigen Orientierungsveranstaltung in unserer Klasse bei einer unserer zukünftigen Lehrerinnen, ein sehr lieber und hilfsbereiter Mensch. Leider haben wir sie wohl nur mittwochs. Ansonsten wurden wir mit jeder Menge Infomaterial beworfen, das jetzt unsortiert auf einem Haufen in meinem Regal liegt und mir vorwurfsvolle Blicke zuwirft. (Ich bin nicht paranoid, danke der Nachfrage.)

Nach der Orientierung und einem Gott sei Dank günstigen Essen in der Mensa hat W. mich und K.  zu Tsutaya mitgenommen, einer Medienladen-Kette. Dort haben wir uns für 300 Yen (= 3 €) eine Mitgliedskarte ausstellen lassen, und können zukünftig für 50/100 Yen pro Medium Manga, Bücher und DVDs ausleihen. Mein Lesestoff ist sichergestellt! *__*



Nach einer kurzen Pause sind S., K. und ich zur Sporthalle der Kampfkünstler gegenüber gegangen, die ich schon im ersten Eintrag erwähnt habe. Wir haben um Erlaubnis gefragt, beim Kendō-Training zuschauen zu dürfen. Wir durften.

Campus gefällig?
An dieser Stelle muss ich etwas weiter ausholen und ein bisschen mehr über unsere Universität hier erzählen. Sie hat nicht nur den einen Campus, sondern ist in mehreren Städten vertreten. Sie ist für ihre naturwissenschaftlichen Fakultäten bekannt und für ihre zahlreichen internationalen Studenten, aber auch für ihre Sportmannschaften. Die Sportler hier trainieren teilweise für Olympia. Besonders bei den olympischen Kampfsportlern waren dieses Jahr Studenten der Tōkai dabei. (Wenn auch eher beim Jūdō als bei anderen Sportarten.) Dementsprechend selten ist es, dass auf diesem Campus nicht irgendwo irgendein Team trainert. Alles läuft, schlägt Bälle, schwimmt, oder lässt eben Bambusstöcke durch die Luft sausen.

Womit wir wieder beim Kendō wären. 剣道 Kendou wird barfuß und, wie üblich, in einer entsprechenden Kleidung betrieben. Männlein wie Weiblein ziehen sich weite Hosen (袴 Hakama) an, die wie Röcke aussehen, aber praktischer als Röcke sind. Dazu gibt es ein passendes Oberteil, einen schicken Brustpanzer und einen Helm, wie wir heute allerdings beobachten durften, wird letzter erst angelegt, wenn es richtig zur Sache geht. (Ich hätte ja Fotos gemacht, aber es kam mir dann doch sehr unhöflich vor, einfach fremde Leute beim Training zu fotografieren.) 
Nach den Dehn- und Aufwärmübungen hat die gesamte Gruppe - S. schätzt auf 150 Leute, ich auf etwa 100 - Trockenübungen mit dem Schwert gemacht. Das sah schon beeindruckend genug aus und hörte sich auch so an, denn bei so vielen Stöcken zischt es doch schon sehr ordentlich. Und da die Gruppe aufeinander abgestimmt war, ging ein Großteil der Stöcke gleichzeitig nieder.
Als das Anfangsprogramm beendet war, gab es eine kurze Meditation und dann wurden die Helme aufgesetzt. Oder vielmehr: festgezogen, denn diese Helme bestehen nur vorne aus Metall, wo einer Art Gitter das Gesicht schützt, der Rest der Maske ist aus Stoff und wird gebunden. Jetzt ging es an die Einzelkämpfe: zu zweit wurden verschiedene Angriffs- und Abwehrmuster durchgespielt, wobei die einzelnen Übungen durch einen Gong voneinander abgegrenzt wurden. Die Kampfschreie der Kontrahenten klangen wirklich markerschütternd - wenn man sich in der Halle umsah, hatte es wirklich etwas von Schlachtengetümmel.
Man merkte, wie sich die Geschwindigkeit und Intensität der Duelle allmählich steigerte. Und als wir schon dachten, das Training sei beendet, weil sich alle voreinander verbeugten, da verteilten sich alle in Reihen gegenüber voneinander aufgestellt über die Halle: und plötzlich rasten die sich jeweils gegenüber Stehenden nur so aufeinander zu und man sah den Angriffen die Wucht an, die nun dahinter steckte. Das vorher? Pfft, bitte. Alles nur Spaß. Die Kämpfe gingen ab da im Schnelldurchlauf, damit so viele Sportler wie möglich gegeneinander antreten konnten.
Kurz danach war das Training tatsächlich vorbei, und wir sahen zu, dass wir verschwanden - erstens wollten wir nicht im Weg sein, zweitens hatte ich inzwischen selbst Lust auf Bewegung bekommen.
Gestern hatte ich mich nämlich für das Schwimmbad und fürs Fitnessstudio der Uni angemeldet, für studentenfreundliche 500 Yen (5 €). Das Fitnessstudio interessiert mich zwar wenig, das Schwimmbad ist allerdings ein Traum. Ich bin in der wirklich schönen Halle meine 30 Bahnen geschwommen und anschließend glücklich und enstpannt nach Hause gekommen. Morgen kann kommen. :)

Samstag, 15. September 2012

Probebergbesteigung

Den Namen dieses Posts habe ich aus zwei Gründen gewählt:
Erstens, weil drei mal der Buchstabe B und drei mal der Buchstabe G darin vorkommt. Ja, solche Dinge freuen mich. Zweitens, weil er unsere heutige Aktivität ganz gut beschreibt.

Endhaltestelle: Wanderstartpunkt
Eigentlich wollte ich mich heute alleine mit einer befreundeten Toukai-Studentin treffen, die mit unserem Besucherprogramm im März für einen Monat in Berlin war. Doch wegen der ein oder anderen Planänderung kamen nachher doch alle fünf Mädchen mit und wir sind etwas verzögert von unserer Bahnstation aus nach  大山 Ōyama gestartet, das ist ein nahes Gebirge, auf das wir von der Uni aus schauen können. Weil wir aber nicht komplett bescheuert sind, sind wir zwei Stationen mit der Bahn gefahren. Anschließend haben wir uns in den Bus gesetzt und sind schon ein gutes Stück den Berg hochgefahren.

Von da an hieß es allerdings Bergwege und Treppen kraxeln - was für die anderen leichter gesagt als getan war, weil wie schon erwähnt alle etwas angeschlagen sind.

In Dunstwolken gehüllter Gipfel
Tanuki, gut getarnt.
Wir haben uns dann aber doch alle recht tapfer geschlagen. Wie das eben so ist beim Bergsteigen: Man merkt auf halbem Weg, dass man zu wenig Wasser dabei hat oder die falschen Schuhe trägt, aber hey. Die wirklich sehr schöne Umgebung hat solche Kleinigkeiten mehr als wettgemacht. Unterwegs waren immer wieder kleine Figürchen am Wegesrand aufgestellt, allerdings mit sehr unterschiedlichen Bedeutungen: Einmal gibt es die 狸Tanuki (Marderhund), ein Tier, das häufig in japanischen Fabeln vorkommt, in diesem Fall als Glücksbringer aufgestellt.
Dann gab es noch die für die Buddhisten wichtigen kleinen Mönchs-Figuren, bei denen man Geld lassen und sich etwas wünschen kann. (Meine Bilder von selbigen sind leider zu verschwommen...) Apropos Geld, bei den Buddhisten kann auf dem Weg zum und im Tempel viel Geld lassen. Da kann die katholische Kirche noch lernen, wie man seine Anhänger ordentlich schröpft.
Es sieht wenigstens so aus, als wären wir weit gewandert.
Als dann allerdings vor den Treppen zum お寺 Otera (buddhistischer Tempel) die eine Probleme mit der Atmung bekam und die andere mit ihrem Fuss, sind die beiden zusammen umgekehrt und langsam und gemütlich den Berg nach unten gestiegen, während wir anderen vier den Endgegner (steile, ungepflegte Treppen) bezwangen. Oben angekommen wurde man dafür  mit einem wunderbaren Ausblick aufs Tal belohnt.
Den Tempel an sich kann ich schlecht erklären. Bleibt nur, ihn zu zeigen.
Bewundert mich, wie ich mir vor dem Tempel die Hände reinige.
Wir hätten vom Tempel aus weiter nach oben gehen können zur nächsten, diesmal shintoistisch-religiösen Stätte, aber wir wollten die beiden schon voraus gegangen auch nicht zu lange warten lassen und waren außerdem selber auch schon ganz schon müde. Der Abstieg fiel zumindest mir wesentlich leichter als der Weg hinauf, und bald waren wir wieder an der Bahnstation und fielen ausgehungert in einen kleinen Laden zum Abendessen ein.

東海大学前駅 (wörtlich: Bahnhof v. d. Tōkai-Universiät.)
Danach haben wir uns von unserer lieben Anleiterin Y. verabschiedet und sind in die andere Richtung heimgefahren. Wundert euch übrigens nicht über die vielen Sonnenuntergangsfotos: Ich bin nicht täglich sehr lange unterwegs, es wird hier nur einfach sehr früh dunkel. (Etwa um 18 Uhr.)

Um noch mal auf den Titel zurückzukommen: K. und ich haben heute geblödelt, dass wir diesen Ausflug als Generalprobe für unsere nächsten Bergtouren werten könnten, die bestimmt härter werden. Ende September kommt uns nämlich unsere deutsche Sprachkurslehrerin besuchen, die berüchtigt dafür ist, dass sie gerne wandert und dabei forsch vorangeht. (Man hätte auch nicht weniger von ihr erwartet.)

Freitag, 14. September 2012

Wir hüpfen über einen Kontinent.

Liebe Freunde und Gäste, Frühaufsteher und Nachteulen, gelangweilte Arbeitnehmer, Schüler und Studenten auf der Suche nach Ablenkung:

Der folgende Reiseblog ist der Gesundheit nur zuträglich, wenn einen die Kombination aus ausschweifendem Gelaber, Alltagsberichten und dem zehntausendsten Japanbericht nicht zur Weißglut treibt.

Wer nur an letzterem interessiert ist, dem kann ich einige Blogs vorangegangener Austauschstudenten empfehlen. Soweit ich weiß, wurde schon die letzten vier Jahre fleißig über das Leben in, an und um unsere Partneruniversität geschrieben, und das vermutlich schöner, eloquenter und vor allem kürzer, als ich es tun werde. Außerdem sind wir in der diesjährigen Gruppe gleich zweifach im Internet vertreten: einer unserer beiden Jungs bloggt aus dem Männerwohnheim.

Wenn ich jetzt noch nicht alle verschreckt haben sollte: Herzlich willkommen! :)
Ich freue mich darauf, das nächste Jahr in der japanischen Provinz im Dunstkreis Tokyos zu studieren und euch ein bisschen (mehr) davon zu erzählen.

Hierher gekommen sind zumindest wir fünf Mädels vor vier Tagen mit British Airways. Der Flug für die erste Teilstrecke Berlin - London ging äußerst früh, sodass wir schwerbepackt, aufgeregt und übernächtigt aus Tegel starteten, das mit seinen geschlossenen Geschäften beinahe selbst noch zu schlummern schien.
Eine Reise sollte mit einem Sonnenaufgang beginnen.
In London mussten wir uns dann vier Stunden lang die Zeit vertreiben, bis es endlich weiter ging - ich habe mich vor allem damit amüsiert, britische Akzente auseinanderzuhalten, denn ich bin hoffnungslos anglophil. Das war während des folgenden Langstreckenflug äußerst praktisch, denn das Medienangebot der BA hat mich wunderbar unterhalten. (Ich konnte unter anderem ein paar Folgen Horrible Histories gucken! :D) Die Unterhaltung hatte ich auch bitter nötig, denn schlafen konnte ich die ganzen elf Stunden nicht wirklich. Mir wurde immer erzählt, japanische Kinder seien still und wohlerzogen. Ha. Denkste. In den ersten paar Tagen habe ich hier im öffentlichen Raum und in Geschäften Babys und Kindern mit äußerst kräftigen Lungen erlebt. Den ersten Fall davon eben gleich im Flugzeug. Meinen lieben mitreisenden Damen ging es nicht viel besser, K. sogar sehr viel schlechter - bei ihr kam Reiseübelkeit dazu.

Ziemlich erschlagen kamen wir dann in Narita in einem gespenstisch leeren Terminal an, wurden allerdings von mehreren japanischen Freunden warm empfangen und samt Gepäck bis zum Wohnheim geleitet. Apropos warm: Schon am Flughafen wurden wir von Hitze und Luftfeuchtigkeit erschlagen. Hier herrscht im September das, was in Deutschland als Hochsommer durchgehen würde.

Unterwegs habe ich es natürlich geschafft, mein Portemonaie im Zug von Narita nach Shinjuku zu vergessen. Kohei ist dann netterweise mitgekommen, um das Problem (erfolgreich) zu lösen, aber alle anderen mussten meinetwegen warten. Großartig.


Wohnheim, dessen Klimaanlagen uns gnädigen Schutz vor der Hitze gewähren.
Im Wohnheim wurden wir dann erneut sehr freundlich willkommen geheißen. Das ist eigentlich sogar untertrieben, wir wurden vollauf bemuttert. Die Verwalterin, die bei unserer Ankunft Schicht hat, ist eine wahre Glucke. Sie hatte von meiner Eskapade gehört und mich im selben Atemzug getröstet und ermahnt. Später, als sie erklärte, was zu tun sei, wenn wir unsere Schlüssel trotz aller Warnungen doch einmal verlieren sollten, folgte ein langer Blick in meine Richtung... gut, das hatte ich verdient.

Nach der Einführung sind wir mit unseren Freunden essen und einkaufen gegangen, um irgendwann spätnachts nach dem Auspacken endlich totmüde in die Betten zu fallen. Die nächsten drei Tage waren dann ausgefüllt mit Besorgungen, Formalitäten und Erkundungstouren über den Campus und durch unsere Kleinstadt.
Sporthalle der Kampfskünstler gegenüber von unserem Wohnheim, aus dem allmorgendlich martialische Schreie erklingen.




Ausblick auf unser Viertel in Hiratsuka




Nordöstliches Campusgelände (Wir wohnen am Südtor.)
In dieser Zeit haben wir etwas erhalten: unsere Ausländer- und Studentenausweise. Und wir haben etwas verloren: unsere Gesundheit. Oder vielmehr: alle Mädels außer mir sind krank oder verletzt. Zu verzeichnen sind eine Allergie gegen die hiesigen Mücken zu verzeichnen, eine Klimaanlagen bedingte Erkältung, einen vermutlichen Bänderriss/starke Überdehnung, sowie beinahe völlige Appetitlosigkeit. Man kann sich nur an den Kopf fassen. Wieso?
Trotzdem haben wir uns heute morgen alle zum schriftlichen Teil des Einstufungstests begeben und... Sachen hingeschrieben. Okay, bei den letzten Aufgaben haben fast alle fröhlich geraten. Wenn am Dienstag noch der mündliche Teil (ein Interview mit den Lehrern) erledigt ist, werden wir in Klassen eingeteilt, in denen wir das nächste halbe Jahr Japanisch lernen. Wir sind gespannt.

Davon abgesehen haben wir hier natürlich schon ein paar Leute kennen gelernt - eine sehr liebe Iranerin, die bald Tagen zurückfliegt, uns vorher aber noch mit Entschlossenheit Wege, Ess- und Einkaufsmöglichkeiten gezeigt hat. Außerdem sind die Koreanerinnen, die sich mit uns das Stockwerk teilen, ziemlich aufgeschlossen und fröhlich. (Nur die Russinen schauen uns an, als wären wir ein paar weitere von den vielen im Flur lebenden Kakerlaken.)

Jetzt liegt erst mal ein langes Wochenende vor uns, weil Montag Feiertag ist. Morgen treffen wir uns wieder mit ein paar Freunden, danach schauen wir mal, was wir so machen können und wollen.

 じゃ、またね!(Bis später!)

Zum Abschied ein Sonnenuntergang. You're welcome.