Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne Momentaufnahmen mache und Zitate mitschreibe. In den letzten paar Wochen sind in meinem Notizblock schon ein paar Perlen gestrandet, die ich gerne mit euch teilen möchte.
Anpassung
Wir befinden uns auf dem Weg vom Wohnheim zur Uni. Wie üblich läuft uns eine Gruppe sehr langsamer schnatternder japanischer Mädchen vorweg, die wir gerade nicht überholen können, weil uns ein noch viel stärkerer Menschenstrom entgegenkommt.
S. (sich selbst zur Geduld mahnend vor sich hinmurmelnd): "Immer schön langsam, immer schön anpassen..."
K. (düster): "Ich bin für Schubsen."
Die Gruppe teilt ein verschwörerisches Grinsen.
Intelligentia
Mein Tandempartner Kohei* und ich diskutieren die Vokabeln für meinen Übersetzungsunterricht.
Kohei (auf zwei Varianten deutend): "Nimm lieber das, dieses Wort klingt irgendwie... intelligent." (Er rümpft bei diesem Wort die Nase, wie ich es beim Anblick einer angespülten Quallenleiche tun würde.)
Ich: "Du meinst wie in "du blöder Schlaumeier", oder?"
Kohei: "Ja, genau."
*Kohei ist ausnahmsweise mit vollem Namen erwähnt, weil ich das im ersten Eintrag aus Versehen schon getan habe. Kontinuität ist alles.
Hut ab
Der ganze Trupp ist bei einem der abendlichen Organisationstreffen für das Unigründungsfest, es ist halb elf und ich bin geistig schon völlig woanders.
T. (bekennender Dauerträger von Caps): "Guter Vorschlag, Hut ab!"
Bei diesem Ausruf kommt es in meinem schon halb schlafenden Hirn zu einer Kurzschlussreaktion und es bricht aus mir heraus: "Aber du hast den Hut doch immer noch auf!"
T. schaut mich fassungslos an, ich kann nur mit den Schultern zucken.
Land des Lächeln
Man sitzt in einem kleinen, Uninahen Laden zum Abendessen beisammen. W. reagiert auf eine Anfrage wie so oft nur mit einem geheimnisvollen Lächeln.
Ich: "Ich glaube, ich mache irgendwann noch mal ein Studie davon, was dein Lächeln alles bedeuten kann."
W. lächelt daraufhin ein Lächeln, dass viele viele Zähne zeigt und kaum Augen.
Ich: "Das zum Beispiel war ein Fick-dich-ins-Knie-Lächeln."
Der deutschsprachige Teil des Tischs bricht in Gelächter aus, T. murmelt auf Japanisch in seinen Reis hinein: "Erwischt."
Wahre Größe
T. teilt sich das Zimmer mit einem Koreaner, der sein ganzes Studium in Japan absolviert und als Staffmitglied beim Unigründungsfest in unserer Gruppe mithilft. Besagter Herr N. fragt mich, wie groß ich sei. Ich antworte wahrheitsgemäß und frage: "Und du?"
Er beugt sich geheimnistuerisch zu mir vor, nur um mir ins Ohr zu flüstern: "Barabara."
Jugend von heute
Wir sind zu dritt bei K. auf dem Zimmer, K. und W. diskutieren darüber, auf welcher Internetseite man eine ihrer gemeinsamen japanischen Lieblingsserien am besten schauen kann.
Ich: "Oooder ihr könntet sie einfach am Samstagabend unten mit dem Fernseher in der Lobby gucken?"
Schockiertes Schweigen, beide schauen mich an, als hätte ich ihnen ein unlauteres Angebot gemacht.
Ich: "Nicht? Okay."
Wir fangen alle drei an zu lachen.
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