Donnerstag, 18. Oktober 2012

Farbklekse und nächtliche Lichterpracht

Ich gebe es zu, ich wollte diesen Post schon vor guten fünf Tagen schreiben und bin nicht dazu gekommen.

Das liegt vor allem daran, dass wir die letzte Woche jeden Abend für irgendetwas eingespannt waren und diese Woche bisher jeden Tag viel zu lernen hatten. Ein Kanjitest am Montag, die erste von unseren vier (oder fünf?) Zwischenprüfungen, ein Kanjitest am Mittwoch, und dazu jede Menge Hausaufgaben. Herzlichen Dank. Nein, Quatsch, ich jammere zwar, aber der ständige Druck und die Tatsache, dass unsere Tests zügig korrigiert werden sind schon Faktoren, die beim Lernen helfen. In Deutschland hab ich mir die Schreibweisen von Kanji immer vor wichtigen Klausuren in reingeprügelt, hier lerne ich sie (wie es eigentlich gedacht ist) in vernünftigen Portionen.
Momentan mein wichtigstes Lernutensil: löschbare, wiederverwendbare Magnettafel für Kanjischreibübungen. Spart Geld, Papier und Platz. Den Trick hab ich mir völlig schamlos von K abgeschaut, weil K. die besten Ideen hat.

Womit haben wir uns abends so beschäftigt? Hauptsächlich mit der Organisation des Unigründungsfest. Allmählich hab ich den Eindruck, dass das nie ein Ende finden wird. Ich glaube, ich bin ganz froh, wenn das Fest in zwei Wochen dann tatsächlich über die Bühne gegangen ist. Dieses Mal ging es daran, das Plakat für unseren Verkaufsstand zu Malen, und ich muss sagen... dafür, dass wir alle erst einigermaßen ratlos waren, ist es doch ganz gut geworden. Ja, ich darf das sagen, ohne angeberisch zu klingen, denn meine Rolle beim Malen dieses Plakats bestand in der Ausführung von Befehlen.

Süßigkeiten-Paradies und Würstchen-Wunderland. Weil is so. Man beachte den bitte besonders das dritte Würstchen von rechts. So sieht eine echte Bockwurst aus.
Aber dann kam das selige Wochenende, an dem unser netter japanischer Kommilitone Y. uns (heißt in diesem Fall: W. und mich) mit nach Tokyo genommen hat zum Kauf eines elektronischen Wörterbuchs. Von einem solchen hab ich seit Studienbeginn geträumt, denn mit nichts kann man Kanji unterwegs schneller und einfacher nachgucken. (Außer vielleicht mit einem Apple-Produkt, das kann ich nicht beurteilen, den sowas kann ich mir nicht leisten.)
Außerdem war es für mich das erste Mal, dass ich Tokyo nicht aus einem Bahnfenster heraus gesehen hab, was an sich schon Grund zur Freude war. Okay, das ist untertrieben, ich war euphorisch.




Wir sind also erst einmal ins Elektroviertel Akihabara gefahren und haben uns in unterschiedlichen Läden einige Modelle angeschaut, bis wir schließlich ein ordentliches Gerät für umgerechnet unter 200€ fanden. (Ja, das ist noch günstig.)

Aber mit dem Kauf des Geräts alleine war es noch nicht getan, denn man braucht noch eine spezielle Karte oder CD, die bestimmt, für welche Sprachen das Gerät benutzt bar ist - in unserem Falle also Deutsch-Japanisch/Japanisch-Deutsch. Bei der Suche nach diesen (wiederum nicht billigen) CDs haben wir das Netteste erlebt, was mir jemals in irgendeinem Geschäft passiert ist. (Und das schreibt jemand, der als Kind bei jedem Gang an die Käsetheke Probehäppchen zugesteckt bekommen hat.)

Es lief ungefähr so:
"Wir hätten gerne zwei deutsche Sprach-CDs zum Überspielen auf SD-Karten für unsere elektronischen Wörterbücher..." - "Oh, hm, wir haben leider nur noch eine." - "Schade, aber da kann man wohl nichts machen." (Wir machen kurz unter uns aus, wer die eine CD nun kauft.) - "Gut, wir nehmen sie." - "Okay, ich mache schon mal alles hier im Laden fertig, damit sie das Wörterbuch sofort benutzen können." (Nachdem das geschehen ist und man noch ein bisschen hin und her gescherzt und über die japanischen Preise gestöhnt hat, beugt sich der Verkäufer verschwörerisch vor:) "Sagt es nicht weiter, aber ich hab die CD an diesem Computer nicht registriert. Ihr könnt sie noch mal benutzen." (Schockiertes, aber freudiges Augenweiten unsererseits, dann finden wir unsere Sprache wieder und bedanken uns leise, aber stürmisch und verlassen immer noch ungläubig den Laden.)
Tja, was soll ich sagen, wir haben gutes Geld gespart.

Aber Akihabara ist nicht nur etwas für Freunde der Elektronik, es lässt auch die Fan-Herzen höher schlagen: hier gibt es Merchandise für fast alles, und an Medien im Allgemeinen mangelt es auch nicht. Ich gebe zu, dass ich einen kleineren (oder größeren) Kaufrausch hatte. Ehehe. ^^°

Manga, Bücher, CDs und (hauptsächlich) One Piece-Merchandise

Zum Abschluss sind wir nach Roppongi Hills gefahren, um uns auf einem von Tokyos höchsten Hochhäusern die Stadt bei Nacht anzuschauen und um was zu essen. Essen ist wichtig.

Die Aussicht war wirklich unglaublich. Ich glaube, ich bin oben auf dem Dach sehr still geworden; das werde ich immer, wenn ich mir schöne Dinge anschaue. W. und Y. haben sich also munter unterhalten und ich, ich... hab gestaunt und dann noch ein bisschen mehr gestaunt.



Dafür haben wir uns dann hinterher beim Abendessen alle drei noch mal sehr ausführlich unterhalten. Wir hatten vorher in Akihabara schon festgestellt, dass wir alle Detektiv Conan-Fans sind, und weil ich bei meinem bis auf Eiswürfel leeren Becher an einen der älteren Fälle denken musste, redeten wir mit einem Mal über die guten alten Zeiten der Serie. Dann über die nicht so guten. Dann über die neuerdings möglicherweise wieder guten, und dann diskutierten wir mögliche zukünftige Plotentwicklungen.
...Ich habe jede einzelne Sekunde des Gesprächs geliebt.

Wir kamen zwar erst kurz vor Torschluss wieder im Wohnheim an und mehr oder weniger plattgewalzt von der Flut an neuen Eindrücken, aber es war ein wirklich wunderbarer Tag. Ich kann mich nur bedanken.

Für immer in guter Erinnerung: Roppongi Hills Tokyo City View

Der Sonntag ging dann ähnlich schön weiter, denn ich hab mich mit einer Japanerin getroffen, die ich bei der Welcome Party kennen gelernt und mit der ich mich sofort gut verstanden hatte. Wir sind in ein nahes (sprich: mit der Bahn 15 Minuten entferntes) Einkaufszentrum in Ebina gefahren.


Der erste Eindruck hat nicht getäuscht, A. und ich verstehen uns tatsächlich prima. Wir haben uns beim Umherlaufen, beim Essen und während der Bahnfahrten pausenlos unterhalten.

Ich erwähnte leckeres Essen, richtig?

 Gleiche Interessen, ein ähnlicher Humor und geteilte Charaktereigenschaften (z. B. Sturheit beim Geschenkemachen und beim Überwinden von Hürden elektronischer Art) haben damit bestimmt das ein oder andere zu tun.
Wir werden uns bestimmt die nächsten Wochen noch mal treffen.

Ich hab günstige Laufschuhe geschossen. A. sagte, sie sehen wie Spiderman-Schuhe aus. Ist es ein Wunder, dass ich sie mag? <3
Nachmittags sind wir heimgefahren, weil eben Tests und Prüfungen anstanden. Damit kam mein magisches Wochenende zu einem etwas unsanften Ende, aber ich hätte es trotzdem nicht anders haben wollen.

Das nächste Wochenende sind wir mit vielen Freunden, die das letzte Jahr in Deutschland waren unterwegs. Der offizielle Anlass ist ein Feuerwerksfestival, also gibt es gleich doppelt Anlass zur Freude. (Erinnere mich mal jemand dran, meine Kamera aufzuladen, damit ich nicht nur mit dem Handy fotografieren kann.)

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