Mittwoch, 19. September 2012

Schweißtreibendes

Hallo zusammen,

hier war die letzten Tage nicht viel los. Allerdings hat vor drei Tagen die Regenzeit angefangen, was bedeutet, dass alle paar Stunden heftige Schauer runterkommen, ohne dass sich jedoch bisher an den Temperaturen viel geändert hätte.
Wir hatten den zweiten Teil unseres Einstufungstests, das Interview mit den Lehrern. Es war... süß. Wir haben Fragen bekommen wie "Bist du das erste Mal in Japan?", "Mit welchen Lehrbüchern hast du bisher Japanisch gelernt?", "Wofür interessierst du dich besonders?" und, der Dauerbrenner: "Warum lernst du Japanisch?" (Duh. Because I can.) Es ist darauf hinausgelaufen, dass drei aus unserer Gruppe in der ersten von acht Klassen gelandet sind (einer davon auf Probe). Wir anderen vier amüsieren uns in der zweiten Klasse.
Wir hatten dann auch die zweite Hälfte der heutigen Orientierungsveranstaltung in unserer Klasse bei einer unserer zukünftigen Lehrerinnen, ein sehr lieber und hilfsbereiter Mensch. Leider haben wir sie wohl nur mittwochs. Ansonsten wurden wir mit jeder Menge Infomaterial beworfen, das jetzt unsortiert auf einem Haufen in meinem Regal liegt und mir vorwurfsvolle Blicke zuwirft. (Ich bin nicht paranoid, danke der Nachfrage.)

Nach der Orientierung und einem Gott sei Dank günstigen Essen in der Mensa hat W. mich und K.  zu Tsutaya mitgenommen, einer Medienladen-Kette. Dort haben wir uns für 300 Yen (= 3 €) eine Mitgliedskarte ausstellen lassen, und können zukünftig für 50/100 Yen pro Medium Manga, Bücher und DVDs ausleihen. Mein Lesestoff ist sichergestellt! *__*



Nach einer kurzen Pause sind S., K. und ich zur Sporthalle der Kampfkünstler gegenüber gegangen, die ich schon im ersten Eintrag erwähnt habe. Wir haben um Erlaubnis gefragt, beim Kendō-Training zuschauen zu dürfen. Wir durften.

Campus gefällig?
An dieser Stelle muss ich etwas weiter ausholen und ein bisschen mehr über unsere Universität hier erzählen. Sie hat nicht nur den einen Campus, sondern ist in mehreren Städten vertreten. Sie ist für ihre naturwissenschaftlichen Fakultäten bekannt und für ihre zahlreichen internationalen Studenten, aber auch für ihre Sportmannschaften. Die Sportler hier trainieren teilweise für Olympia. Besonders bei den olympischen Kampfsportlern waren dieses Jahr Studenten der Tōkai dabei. (Wenn auch eher beim Jūdō als bei anderen Sportarten.) Dementsprechend selten ist es, dass auf diesem Campus nicht irgendwo irgendein Team trainert. Alles läuft, schlägt Bälle, schwimmt, oder lässt eben Bambusstöcke durch die Luft sausen.

Womit wir wieder beim Kendō wären. 剣道 Kendou wird barfuß und, wie üblich, in einer entsprechenden Kleidung betrieben. Männlein wie Weiblein ziehen sich weite Hosen (袴 Hakama) an, die wie Röcke aussehen, aber praktischer als Röcke sind. Dazu gibt es ein passendes Oberteil, einen schicken Brustpanzer und einen Helm, wie wir heute allerdings beobachten durften, wird letzter erst angelegt, wenn es richtig zur Sache geht. (Ich hätte ja Fotos gemacht, aber es kam mir dann doch sehr unhöflich vor, einfach fremde Leute beim Training zu fotografieren.) 
Nach den Dehn- und Aufwärmübungen hat die gesamte Gruppe - S. schätzt auf 150 Leute, ich auf etwa 100 - Trockenübungen mit dem Schwert gemacht. Das sah schon beeindruckend genug aus und hörte sich auch so an, denn bei so vielen Stöcken zischt es doch schon sehr ordentlich. Und da die Gruppe aufeinander abgestimmt war, ging ein Großteil der Stöcke gleichzeitig nieder.
Als das Anfangsprogramm beendet war, gab es eine kurze Meditation und dann wurden die Helme aufgesetzt. Oder vielmehr: festgezogen, denn diese Helme bestehen nur vorne aus Metall, wo einer Art Gitter das Gesicht schützt, der Rest der Maske ist aus Stoff und wird gebunden. Jetzt ging es an die Einzelkämpfe: zu zweit wurden verschiedene Angriffs- und Abwehrmuster durchgespielt, wobei die einzelnen Übungen durch einen Gong voneinander abgegrenzt wurden. Die Kampfschreie der Kontrahenten klangen wirklich markerschütternd - wenn man sich in der Halle umsah, hatte es wirklich etwas von Schlachtengetümmel.
Man merkte, wie sich die Geschwindigkeit und Intensität der Duelle allmählich steigerte. Und als wir schon dachten, das Training sei beendet, weil sich alle voreinander verbeugten, da verteilten sich alle in Reihen gegenüber voneinander aufgestellt über die Halle: und plötzlich rasten die sich jeweils gegenüber Stehenden nur so aufeinander zu und man sah den Angriffen die Wucht an, die nun dahinter steckte. Das vorher? Pfft, bitte. Alles nur Spaß. Die Kämpfe gingen ab da im Schnelldurchlauf, damit so viele Sportler wie möglich gegeneinander antreten konnten.
Kurz danach war das Training tatsächlich vorbei, und wir sahen zu, dass wir verschwanden - erstens wollten wir nicht im Weg sein, zweitens hatte ich inzwischen selbst Lust auf Bewegung bekommen.
Gestern hatte ich mich nämlich für das Schwimmbad und fürs Fitnessstudio der Uni angemeldet, für studentenfreundliche 500 Yen (5 €). Das Fitnessstudio interessiert mich zwar wenig, das Schwimmbad ist allerdings ein Traum. Ich bin in der wirklich schönen Halle meine 30 Bahnen geschwommen und anschließend glücklich und enstpannt nach Hause gekommen. Morgen kann kommen. :)

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